Über das AJC

Über das AJC

 

Das American Jewish Committee (AJC) wurde 1906 in New York von amerikanischen Juden vorwiegend deutscher Herkunft mit der Zielsetzung gegründet, jüdische Sicherheit zu gewähren und Demokratie, Menschenrechte und Völkerverständigung weltweit zu fördern. Dieses zuerst kleine Komitee bestand aus bereits beruflich etablierten Juden, die tief besorgt über Pogrome gegen jüdische Gemeinden in Russland waren. 109 Jahre später ist AJC eine global aufgestellte Organisation mit 26 regionalen US Büros,10 internationalen Zweigstellen und über 30 Partnerschaften mit jüdischen Gemeinden weltweit,

So setzt sich das AJC bis heute für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und gegenseitigen Respekt über ethnische, religiöse und nationale Grenzen hinweg ein.

 

Über das AJC in Deutschland

Das AJC wurde 1906 durch eine Gruppe bedeutender amerikanischer Juden mit deutschem Hintergrund gegründet, in der Absicht, Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung zu bekämpfen. Mehr als hundert Jahre lang hat das AJC Demokratie, Pluralismus und Menschenrechte gefördert. Den Visionen seiner Gründer folgend, setzt sich das AJC für ein gegenseitiges Verständnis von Nationen, Religionen und ethnischen Gruppen ein.

Das AJC war auch besorgt über die Verbreitung der Naziideologie in den USA. In den späten 30er Jahren gründete es eine Untersuchungskommission, welche mit der Aufgabe betraut war, Nazi-Agitatoren in den USA bekanntzumachen, und Amerikaner zu einer positiven Haltung gegenüber Fragen von Religion und «Rasse» zu bewegen. In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen und Strafverfolgungsbehörden halfen die Bemühungen des AJC, der weiteren Verbreitung der Naziideologie in den USA zu begegnen. Als Folge des Erfolgs der Untersuchungskommission gründete das AJC eine eigene Forschungsabteilung, welche durch zwei bekannte deutsche Flüchtlinge, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, besetzt wurde. Beide veröffentlichten wegweisende Schriften zum Wesen von Autoritarismus und Faschismus.

Das AJC hat nie die Hoffnung auf einen Sieg der Vernunft über die Verzweiflung aufgegeben. Als erste Stadt befreiten am 10. September 1944 US-amerikanischen Streitkräfte Aachen in Westdeutschland aus den Händen der Nazis. Einige Wochen später, am 29. Oktober 1944, unterstützte das AJC einen bewegenden ökumenischen Gottesdienst in den Panzerabwehrstellungen von Aachen, welcher durch das NBC-Radio übertragen wurde und der Hoffnung Ausdruck verlieh, dass die Jahre des Grauens und der Zerstörung an ihr Ende gekommen seien.

 

 

Nach dem Holocaust: Erste Kontakte 

Nach dem 2. Weltkrieg konzentrierte sich das AJC auf den Wiederaufbau der demokratischen Gesellschaft in Deutschland und richtete sein Augenmerk auf die Situation jüdischer Flüchtlinge, den weiter bestehenden Antisemitismus und die Entwicklung des Landes zur Demokratie. Zu diesem Zweck produzierte das AJC „Make Way for Youth“, einen Film über die Förderung von Toleranz, welchen die US-Regierung in Deutschland als Teil der Bemühungen zur Demokratieförderung öffentlich aufführte. Auch half das AJC bei der Organisation des „Citizens Council for Democratic Germany“, einer Koalition aus Gewerkschaften und anderen Organisationen mit dem Ziel, Demokratieerziehung in der deutschen Öffentlichkeit voranzubringen.

Das AJC fuhr auch damit fort, die Gefahr eines wiederaufkommenden Nazismus zu beobachten. Schon 1947 führte das AJC eine Studie durch, in der auf verbreitete Vorurteile in Deutschland hingewiesen wurde. Eine weitere Sorge bereitete die hohe Anzahl an Ex-Nazis in der westdeutschen Regierung und Armee. 1950 veröffentlichte das AJC einen Bericht mit dem Titel „The New Treat From Germany“.

Zwei Jahre später entwickelte das AJC ein ambitioniertes Programm (die „Operation Candle“) das bestrebt war, die demokratischen Kräfte in Deutschland zu vereinen, eine bundesweite Konferenz zum Thema Menschenrechte zu organisieren, Besuche deutscher Führungskräfte in die USA zu ermöglichen und ein Bildungsprogramm zu etablieren, das die Wertschätzung des Judentums in Deutschland fördern sollte. Auch wenn das Programm aufgrund mangelnder externer Unterstützung nicht lanciert werden konnte, führte das AJC in den Folgejahren seine Arbeit unbeirrt weiter. Im selben Jahr spielte der Präsident des AJC, Jacob Blaustein, eine führende Rolle bei dem erfolgreichen Abschluss einer Übereinkunft zwischen der Conference of Jewish Material Claims against Germany (Claims Conference) und der westdeutschen Regierung über die Bereitstellung von Kompensationszahlungen an den Staat Israel wie auch an Überlebende des Holocaust.

Als AJC-Delegationen Deutschland in den späten 1950er Jahren besuchten, bemerkten sie den Mangel an zeitgeschichtlichem Unterricht in deutschen Klassenzimmern. Hinzu kam eine Antisemitismus-Welle im Jahr 1960. Außerdem wies das AJC darauf hin, dass die Klassifizierung antisemitischer Zwischenfälle als Akte von Jugendkriminalität eine unzulässige Vereinfachung darstellt. Bei einem Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer im Juni 1960 wiederholte Jacob Blaustein die Sorge über die Wiederkehr von Nazismus und Antisemitismus und drängte bei der deutschen Regierung darauf, Demokratieerziehung systematisch zu etablieren. Ab Herbst 1960 bis 1971 unterstützte das AJC zahlreiche Reisen führender westdeutscher Pädagogen und Akademiker in die USA, wobei die Teilnehmer vom damaligen Leiter des Instituts für Sozialforschung der Universität Frankfurt, Max Horkheimer, ausgewählt wurden. Diese Reisen verfolgten das Ziel, amerikanische Methoden der Demokratieerziehung kennenzulernen. Das Programm wurde durch die Ford Foundation, die New World Foundation und später durch die deutsche Regierung und deutsche Stiftungen unterstützt. In Fortsetzung seiner Bemühungen, Gerechtigkeit für die Opfer des Nazismus zu erlangen, überzeugte das AJC die westdeutsche Regierung, die Verjährungsfristen für die Verfolgung von Naziverbrechern zu verlängern.

1977 trafen sich Vertreter des AJC mit offiziellen Vertretern des bayrischen Städtchens Oberammergau, um diese davon zu überzeugen, antisemitische Elemente aus den berühmten Passionsspielen zu entfernen. Diese öffentlichen Aufführungen zu den letzten Tagen Jesu werden in Oberammergau seit dem 17. Jahrhundert ausgerichtet und alle 10 Jahre mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit begangen. Die für interreligiöse Fragen zuständigen Führungskräfte des AJC halten den Dialog mit den Autoren der Theateraufführungen aufrecht und verfolgen das Ziel, in dem Stück eine angemessene Darstellung von Juden und jüdischem Leben zu erreichen.

Austauschprogramme mit deutschen Stiftungen

Das AJC hat schon sehr früh festgestellt, dass Austauschprogramme kraftvolle Mittel der deutsch-jüdischen Beziehungen darstellen, um Versöhnung zu erlangen und Demokratie zu fördern. Dementsprechend startete 1980 das AJC mit der Konrad-Adenauer-Stiftung einen jährlichen Austausch von Führungskräften – den ersten seiner Art. Seit Beginn hat das Programm es mehr als 400 amerikanisch-jüdischen Teilnehmern und einer entsprechenden Anzahl Führungspersönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft ermöglicht, ins jeweils andere Land zu reisen und dabei Fragen der transatlantischen Dialogs, der amerikanisch-deutsch-israelischen Beziehungen und des jüdischen Lebens zu erörtern. 1983 lancierten das AJC und die Friedrich-Ebert-Stiftung eine bis heute fortgeführte Reihe von Kooperationsprogrammen, welche die Mitunterstützung von AJC-Missionen in die Bundesrepublik Deutschland und den Besuch von Führungspersönlichkeiten der SPD in die Vereinigten Staaten beinhaltet, wie auch jährliche transatlantische Konferenzen.

 

 

Förderung jüdischen Lebens 

Zu den Zielen des AJC nach dem 2. Weltkrieg gehörte auch die Förderung des Wiederertstehens des jüdischen Lebens in Deutschland. 1954 schrieb Jacob Blaustein, nunmehr Ehrenpräsident des AJC, einen Brief an die deutschen Juden, der in einer bundesweit erhältlichen jüdischen Zeitung veröffentlicht wurde. Darin versprach er, das AJC werde sein Bestes tun, damit die amerikanischen Juden die Situation ihrer Brüder in Deutschland verständen, und er fügte hinzu: „Ich bete zu Gott, dass Ihr aus der Tragödie der Vergangenheit Kraft finden werdet, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, mit der Gewissheit, dass wir Euch nicht vergessen haben.“ Zusätzlich zur Begegnung mit der jüdischen Gemeinschaft in Westdeutschland traf sich eine Mission des AJC als erste amerikanisch-jüdische Gruppe mit Mitgliedern der verbliebenen kleinen Gemeinden von Juden in der Deutschen Demokratischen Republik. 1983 unterstützt das AJC die Gemeinden, indem sie einen Rabbiner zur Verfügung stellte, der die Gottesdienste leitete. Dabei überzeugte das AJC die DDR, erstmals seit 25 Jahren einem Rabbiner die Aufenthaltserlaubnis in Ostberlin zu gewähren.

In Anerkennung ihres unermüdlichen Bemühens für die Wiederbelebung des jüdischen Lebens in Deutschland nach dem Holocaust verlieh das AJC Charlotte Knobloch, der damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, im Jahr 2008 den „Sidney Lefkowitz Award for International Jewish Revival.“ Dazu stiftete das AJC Thorarollen für jüdische Gemeinden in Hamburg und Rostock.

1987 begann das AJC eng mit der Atlantikbrücke zusammenzuarbeiten, der ersten transatlantischen Organisation Deutschlands, die 1952 durch den deutsch-jüdischen Bankier Eric Warburg mitbegründet worden war. Zusammen mit der Atlantikbrücke hat das AJC Konferenzen zu Themen wie Erinnerung an den Holocaust, jüdisch-deutsche und deutsch-israelische Beziehungen in den USA, Deutschland und Israel organisiert.

Nach der deutschen Vereinigung

Nach dem Fall der Berliner Mauer warb das AJC als erste jüdische Organisation für die deutsche Wiedervereinigung. Sich der möglichen Konsequenzen dieses Ereignisses bewusst, nahm das AJC eine Pionierrolle ein, als es 1992 zusammen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung ein Programm für zukünftige öffentliche Führungskräfte auflegte, um den Respekt für Verschiedenheit in Zentral- und Osteuropa zu fördern. Das AJC begann auch eine Kooperation mit der neu gegründeten Heinrich-Böll-Stiftung, um das Bewusstsein über die besorgniserregende Entwicklung von Antisemitismus, Nationalismus und historischem Revisionismus in der Ära nach dem Kalten Krieg zu fördern. In Zusammenarbeit mit einem sich stetig verbreiternden Feld an Partnern führte das AJC die Unterstützung von Aufbauprogrammen zur Demokratieförderung weiter.

Parnerschaft mit der Bundeswehr 

 

 

Gestützt auf die langjährigen Beziehungen in Deutschland, begannen 1994 das AJC und die Bundeswehr einen einzigartigen und bis heute fortgeführten Dialog. Seither haben hunderte von Bundeswehroffizieren, mit einer besonders hohen Dichte an jungen Offizieren, das Hauptquartier des AJC in New York und das Berliner Büro besucht, um mehr über amerikanisches Judentum und die Begegnungsprogramme des AJC zu erfahren. In Deutschland und Israel haben das AJC und die Bundeswehr gemeinsam Ausbildungsprogramme zu jüdischem Leben und dem Nahen Osten geschaffen, das an Offiziere gerichtet ist, die an Ausbildungsstätten der Bundeswehr lehren. Vertreter des AJC halten regelmäßig Vorträge an Universitäten und Akademien der Bundeswehr.

Eröffnung des Ramer Institutes

 

 

Durch Dialog und Öffentlichkeitskampagnen überzeugte das AJC die Bundesregierung 1998, den in der Sowjetunion lebenden Überlebenden von Konzentrationslagern Renten auszurichten. 1998 war das AJC auch die erste und einzige Vertretung einer jüdisch-amerikanischen Organisation, die eine permanente Vertretung in Deutschland unterhielt. Seither hat sich das AJC Berlin Lawrence und Lee Ramer Institute für deutsch-jüdische Beziehungen zu einem Ankerpunkt für den transatlantischen Dialog im Herzen Europas entwickelt. Heute organisiert das AJC Berlin Ramer Institute Konferenzen, Seminare, Expertenmeetings sowie Gespräche am runden Tisch und betreibt eine aktive Öffentlichkeitsarbeit. Seinen politischen und diplomatischen Kontakten stellt das AJC Berlin Ramer Institute Informationen zu zentralen Entwicklungen in den transatlantischen Beziehungen und zum Nahen Osten zur Verfügung.

Durch seine starke Partnerschaft mit zentralen Institutionen und Meinungsmachern hat sich das Ramer Institute zu einer vertrauenswürdigen und einflussreichen Stimme in Deutschland entwickelt. Zusätzlich zur Pflege bereits etablierter Beziehungen baut das Ramer Institute laufend neue Partnerschaften in Deutschland auf.

Nach einem Jahrhundert aktivem Engagement in Deutschland – einschließlich der 15-jährigen Präsenz in Berlin – bleibt das AJC seiner Partnerschaft mit Deutschland als einem Beispiel für die Kraft von Dialog und Diplomatie bei der Überwindung von Vorurteilen verpflichtet. Exponenten des AJC sind führende Partner in den deutsch-amerikanisch-jüdischen Beziehungen – überzeugt von der Notwendigkeit der Zusammenarbeit, um die transatlantische Sicherheit und den Schutz Israels zu stärken. Möge der Geist, welcher diese einzigartigen kooperativen Bindungen durchdringt, all jene inspirieren, die versuchen, eine bessere Welt zu erreichen, in der Frieden und Würde regieren und der Hass, der die Menschenwürde bedroht, überwunden wird.