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AJC Berlin Ramer Institute zum Anschlag in Halle

Berlin, den 10.10.2019 - Am 09. Oktober 2019 versuchte ein rechtsradikaler Terrorist in eine Synagoge in Halle einzudringen. Das Gotteshaus war voll besetzt, darin befanden sich Jüdinnen und Juden, auch Shoah-Überlebende, die gemeinsam das Versöhnungsfest Jom Kippur begingen. Als dieser Anschlagsversuch scheiterte, erschoss er zwei Menschen.

 

Dazu erklärt Dr. Remko Leemhuis, Acting Director des AJC Berlin: „Wir sind immer noch erschüttert über den antisemitischen Terroranschlag am gestrigen Tage in Halle. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer und bei der jüdischen Gemeinde in Halle. Wir denken in diesen Stunden auch vor allem an jene, die sich während des Angriffs in der Synagoge befunden haben. Wir können nur ahnen, was sie in diesen Momenten durchgemacht haben. Wir sind dankbar, dass gestern nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern Menschen in verschiedenen Städten Deutschlands spontan ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland bekundet haben.“

 

Leemhuis erklärte weiter: „Der nun oft getroffenen Aussage, dass Antisemitismus keinen Platz in Deutschland hat, müssen wir allerdings deutlich widersprechen. Wo „Jude“ auf Schulhöfen ein geläufiges Schimpfwort ist, wo in Qualitätsmedien von jüdischen Verschwörungen fabuliert wird, wo die Obsession, Israel zu kritisieren, vorherrscht, wo man sich nicht dazu durchringen kann, offen antisemitische Terrororganisationen zu verbieten, wo mittlerweile im Bundestag die Zeit des Nationalsozialismus und die deutschen Verbrechen verharmlost oder heruntergespielt werden, dort hat Antisemitismus einen Platz. Diese gesellschaftliche Stimmung ist der Nährboden des antisemitischen Terrors und daher war der Mörder auch kein Einzeltäter.“

 

Dr. Remko Leemhuis schlussfolgernd: „Wir fordern die Regierungen im Bund und in den Ländern auf, jetzt dringend den Schutz jüdischer Einrichtungen zu überprüfen. Es ist unverständlich, warum am höchsten jüdischen Feiertag die Synagoge in Halle keinen Polizeischutz hatte. Es kann nicht sein, dass die Sicherheit und das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland von der Stabilität einer Eingangstür abhängt. Ebenso sind auch entsprechende Gesetzte zu überprüfen. Es ist nicht nachvollziehbar, wie jemand, der mit einem Messer in eine Synagoge einzudringen versucht, nach weniger als 24 Stunden wieder auf freiem Fuß sein kann, wie dies am vergangenen Wochenende in Berlin der Fall war.“

 

Leemhuis abschließend: „Die Zeit der abstrakten Bekenntnisse gegen Antisemitismus ist vorbei. Wer etwas gegen Judenhass unternehmen möchte, der muss vor allem damit beginnen, ihn aus jeder Richtung kommend und in jeder Schattierung schonungslos zu benennen und sich nicht immer nur die Tätergruppe herauszugreifen, die in die eigene politische Agenda passt. Das bedeutet auch, dass Antisemitismus im islamistischen, im rechten und linken Spektrum spezifisch analysiert und dann bekämpft werden muss."

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Remko Leemhuis
10.10.2019 Bericht

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