Salafismus und Antisemitismus an Berliner Schulen: Erfahrungsberichte aus dem Schulalltag

Radikalisierungsprozesse und gewaltbereiter Islamismus sind verstärkt in den Fokus der öffentlichen Debatte und auch der Wissenschaft gerückt. Der Salafismus, eine vom Wahhabismus geprägte Ideologie, die sich an einer traditionellen, streng konservativen und radikalen Strömung des Islam orientiert, tritt dabei stark missionierend auf. Fragen nach den Ursprüngen, Hintergründen, Verläufen und Bekämpfungsmöglichkeiten werden gerade in den Sicherheitsbehörden vielfältig diskutiert. Der jüngste Bericht des Bundesverfassungsschutzes schätzt den Umfang der salafistischen Szene in Deutschland auf inzwischen 9.700 Personen – eine in letzter Zeit erheblich gewachsene Zahl, die vermutlich weiter steigen wird.

Damit stellt der Salafismus eine besondere Herausforderung für die Demokratie, für die politische Bildung und ganz besonders auch für die Schulen dar. Inwiefern ist der Bildungsauftrag von Schulen und Lehrern davon betroffen und welche Auswirkungen zeichnen sich im Unterricht und Schulalltag ab? Alles deutet darauf hin, dass viele Radikalisierungsprozesse – wie auch die Verbreitung antisemitischer Einstellungen und Stereotype – bereits im Schulalter beginnen. Doch aus den Schulen dringen Informationen bisher nur in Einzelfällen an die Öffentlichkeit – wie zum Beispiel im jüngsten Bericht über einen jüdischen Schüler, der eine Gemeinschaftsschule in Berlin-Friedenau aufgrund offenbar antisemitischer Beleidigungen verließ oder durch den im Juni 2015 im Berliner Tagesspiegel veröffentlichten Brandbrief einer jüdischen Lehrerin in Charlottenburg-Wilmersdorf über antisemitisches Mobbing an ihrer Schule. Bislang jedoch
gibt es weder eine systematische Erfassung antisemitischer Vorfälle noch eine fundierte empirische Untersuchung von Islamismus und Radikalisierung an Berliner Schulen – obwohl diese Themen nicht erst seit gestern auf der Tagesordnung stehen. Diese Dokumentation versucht daher, auf der Grundlage von Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern an Berliner Schulen etwas Licht ins Dunkel zu bringen: Wenngleich sie nur erste Einblicke geben kann, so sind die Aussagen der interviewten Lehrerinnen und Lehrer dennoch aufschlussreich. Streng religiöse Aspekte des Islam nehmen einen immer größeren Platz in vielen Schulen ein und stehen manchmal sogar in Konflikt zum Bildungsauftrag. Auch zeigt die Auswertung, dass es Lehrern oftmals an Hintergrundwissen über Grundsätze des Islam, salafistische Radikalisierungsprozesse und die antisemitischen Bestandteile dieser Ideologie fehlt. Diese Dokumentation rückt somit ein Thema in den Fokus, das bislang aufgrund von Unsicherheit und mangelnder Informationen schwierig anzusprechen war oder wenig wahrgenommen wurde.

Über den Autor: 
Remko Leemhuis
19.07.2017 Bericht

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