Schändlich: 10 Fälle, in denen Israel anders behandelt wird

1. April 2018

Selbstverständlich verdient Israel Aufmerksamkeit und Kontrolle wie jede andere Nation. Aber es verdient auch Gleichbehandlung – nicht mehr, nicht weniger.

Erstens ist Israel der einzige Staat dessen Hauptstadt, Jerusalem, mit welcher das jüdische Volk seit mehr als 3000 Jahren aufs Engste verbunden ist, von nahezu allen anderen Ländern nicht anerkannt wird.

Denken Sie einmal über die Absurdität nach. Ausländische Diplomaten leben in Tel Aviv während sie so gut wie all ihre Arbeit in Jerusalem verrichten, wo sich das Büro des Premierministers, die Knesset, der Oberste Gerichtshof und das Außenministerium befinden.

Wenn Sie sich einmal die Aufzählungen von Weltstädten angucken, einschließlich der Geburtsorte in Reisepässen, werden Sie etwas Erstaunliches sehen – Paris, Frankreich; Tokio, Japan; Pretoria, Südafrika; Lima, Peru; und Jerusalem, ohne Land – verwaist wenn Sie so wollen.

Zweitens ist Israel der einzige UN-Mitgliedsstaat dessen bloßes Existenzrecht ständig infrage gestellt wird.

Ungeachtet der Tatsache, dass Israel eine uralte Verbindung mit dem jüdischen Volk verkörpert, wie in dem weltweit meist gelesenen Buch, der Bibel, mehrfach angeführt wird; dass es basierend auf der Empfehlung der UN von 1947 wiedergeboren wurde; und dass es seit 1949 ein Teil der Weltgemeinschaft ist, gibt es dennoch einen unablässigen Chor der Leugnung von Israels politischer Legitimität.

Niemand würde es wagen das Existenzrecht einer Vielzahl anderer Staaten zu hinterfragen, deren Voraussetzung für Staatlichkeit viel fragwürdiger ist als die Israels, beispielsweise solche, die durch rohe Gewalt, Besatzung oder weit entfernte Kartenzeichner geschaffen wurden. Sehen Sie sich einmal um, wie viele Nationen sich diesen Kategorien zuordnen lassen – übrigens einschließlich so mancher arabischer Länder. Warum also widmet sich die Jagdsaison ausschließlich Israels? Könnte es vielleicht etwas mit der Tatsache zu tun haben, dass es sich um das einzige mehrheitlich jüdische Land der Welt handelt?

Drittens ist Israel der einzige Mitgliedsstaat der UN, dessen Vernichtung von einem anderen Mitgliedsstaat angestrebt wird.

Denken Sie einmal darüber nach. Die iranische Führung hat, zusammen mit iranisch-finanzierten Stellvertretern im Libanon und in Gaza, wiederholt zur Auslöschung Israels aufgerufen. Gibt es irgendein anderes Land, das sich solch einem dezidierten Streben nach seiner vollständigen Zerstörung ausgesetzt sieht? Unterdessen führt eine Mehrzahl der Länder seine Geschäfte mit Teheran wie selbstverständlich fort, als sei diese Drohung gegenüber einer anderen Nation begrüßenswert oder zumindest irrelevant.

Viertens hat die UN zwei Behörden, die sich mit Flüchtlingen befassen.

Zum einen das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR), das sich – mit einer Ausnahme – auf alle Flüchtlinge der Welt konzentriert. Zum anderen das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), welches sich ausschließlich mit den Palästinensern beschäftigt.

Aber die Verschiedenheit der beiden geht über die Anomalie zweier Strukturen und zweier Bürokratien hinaus. Vielmehr verfügen sie über auffallend unterschiedliche Mandate.

Die UNHCR beabsichtigt die Neuansiedlung der Flüchtlinge; UNRWA tut dies nicht. Als der damalige UNRWA-Direktor John Blanford 1951 vorschlug, bis zu 250.000 Flüchtlinge in nahegelegenen arabischen Ländern anzusiedeln, reagierten diese Länder voller Zorn und weigerten sich, was zum Ausscheiden Blanfords führte. Die Nachricht kam an. Seit damals hat kein UN-Funktionär auf eine Wiederansiedlung gedrängt.

Darüber hinaus unterscheiden sich die Flüchtlingsdefinitionen von UNRWA und UNHCR merklich. Während die UNHCR nur diejenigen betreut, die tatsächlich selbst aus ihrem Heimatland geflohen sind, schließt die Definition der UNRWA auch die „Nachfahren von Personen, die 1948 Flüchtlinge wurden“ ein, ohne jegliche generationsbedinte Einschränkungen.

Fünftens ist Israel das einzige Land, das all seine fünf wesentlichen Kriege für Überleben und Selbstverteidigung gewonnen hat und sich dennoch besiegten Gegnern gegenübersieht, die darauf bestehen die Friedensbedingungen zu diktieren.

Ironischerweise haben sie dabei Unterstützung von vielen Ländern erfahren, die nach eigenen Kriegserfolgen selbst auf Grenzanpassungen bestanden haben – und ja – denen diese auch gewährt wurden. Ein kurzer Blick auf ältere sowie heutige Karten Europas verdeutlicht dies sehr anschaulich.

Sechstens ist Israel das einzige Land in der Welt mit einem eigenständigen – und permanenten – Tagesordnungspunkt Nr. 7 in dem in Genf ansässigen UN-Menschenrechtsrat.

Kein anderer Mitgliedsstaat, einschließlich regelmäßiger Menschenrechtsverletzer wie Nordkorea, Syrien, Iran und Sudan, bekommt seinen eigenen Tagesordnungspunkt.

Lediglich die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten wird auf diese offensichtlich voreigenommene Weise behandelt, weil das nun mal der Lauf der Dinge ist – die Bösen vollbringen die Quadratur des Kreises um sich gegenseitig zu schützen und, zur selben Zeit, schließen sie sich gegen Israel zusammen und kreieren so eine automatische Mehrheit.

Siebtens ist Israel das einzige Land, dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) namentlich die Verletzung von Gesundheitsrechten vorgeworfen wird.

Diese Falschmeldung wird aufgelistet, obwohl Israel Syrern, die im Bürgerkrieg verletzt wurden und in Gaza unter Hamas-Führung lebenden Palästinensern medizinische Versorgung auf Spitzenniveau zur Verfügung stellt; obwohl es eine der höchsten Lebenserwartungen für seine Bürger erreicht hat, unabhängig davon ob diese jüdisch oder nicht-jüdisch sind; obwohl es zu den medizinischen Ersthelfern zählt wo auch immer humanitäre Katastrophen stattfinden, ob in Haiti oder in Nepal; und obwohl es täglich die Grenzen der Medizin für alle voranbringt, etwas das nicht von allzu vielen anderen Nationen behauptet werden kann.

Achtens ist Israel das einzige Land, das als dauerhafte Zielscheibe dreier UN-Organe dient, die ausschließlich mit Hinblick auf die Förderung der palästinensischen Sache und das Runtermachen Israels gegründet und ausgestattet wurden: Das Komitee für die Ausübung der unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes; der Sonderausschuss zur Untersuchung israelischer Praktiken, die die Menschenrechte des palästinensischen Volkes betreffen; und die Abteilung für palästinensische Rechte in der UN-Hauptabteilung für politische Angelegenheiten.

Neuntens ist Israel das einzige Land, das jährlich von mindestens 20 Resolutionen der UN-Generalversammlung und unzähligen Maßnahmen in anderen UN-Organen wie dem Menschenrechtsrat, betroffen ist.

Erstaunlicherweise sieht sich Israel jedes Jahr mehr solcher Bestrebungen ausgesetzt als die anderen 192 UN-Mitgliedstaaten zusammen. Niemand kann ernsthaft behaupten dies sei auch nur ansatzweise gerechtfertigt, aber es ist die Realität, weil in jedem der UN-Organe außer dem Sicherheitsrat, in dem jedes der fünf permanenten Mitglieder ein Vetorecht hat, der Mehrheitsbeschluss gilt.

Wenn heute beinahe zwei Drittel der Nationen der Welt zur bündnisfreien Gemeinschaft zählen und wenn sie ein Land wie Iran zu ihrem Vorsitz wählen – wie von 2013 von 2016 geschehen – und dieses von Venezuela als derzeitigem Vorsitz beerbt wird, dann sagt dies eigentlich alles.

Und zehntens ist Israel der einzige Staat, der von der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) ins Visier genommen wird.

Gibt es irgendwelche erwähnenswerten Campus-Aktivitäten, die auf tatsächliche Menschrechts-verletzer abzielen, einschließlich derer in Israels Nachbarschaft, die Christen enthaupten, zwangskonvertieren und vertreiben; mit Chemie versetzte Fassbomben auf Zivilisten werfen; Palästinensern volle Rechte verweigern; LGBT-Gemeinschaften verfolgen und die Todesstrafe selbst für Minderjährige mit Hingabe verwenden?

Gibt es irgendeine Studierendengruppe, die versucht hat Bachelorstudenten davon abzuhalten in ein Land zu reisen, wie dies im Falle Israels an der UCLA geschehen ist?

Hat je irgendwer eine von linken europäischen Gruppen organisierte „Flotilla“ oder „Flytilla“ gesehen, die keinen explizit anti-israelischen Blickwinkel eingenommen hat?

Hat je irgendwer Bewegungen gesehen, die auf den Abzug von Firmen aus einem anderen Land außer Israel abzielen?

Die Türkei hält, um nur ein Beispiel zu nennen, seit 44 Jahren schamlos und ohne Rechtfertigung ein Drittel der Inselnation Zypern besetzt, hat eine geschätzte Anzahl von 44.000 Soldaten dorthin verlegt und unzählige Siedler aus Anatolien dorthin versetzt und dennoch hört man keinen Piep von denen, die von sich behaupten im Namen von „Gerechtigkeit“ und gegen „Besatzung“ zu handeln.

Im Angesicht der politischen Realitäten kann jeder dieser Fälle ungeheuerlicher Doppelmoral und blanker Heuchelei eine einschüchternde Herausforderung sein. Und, schlimmer noch, die Liste ist nicht einmal komplett.

Eine alte Werbeanzeige besagte, dass man nicht jüdisch sein müsse um Levy’s Roggenbrot zu lieben. Nun, man muss sicherlich kein pro-Israel-Aktivist zu sein, um sich an der grotesk ungerechten Behandlung Israels zu stören. Es bedarf lediglich der moralischen Fähigkeit sich darüber zu entrüsten, dass solche Dinge in der heutigen Welt passieren.

Aus dem Englischen: https://www.huffingtonpost.com/david-harris/ten-ways-israel-is-treate_b_7579568.html

 

Über den Autor
David Harris

David Harris ist der CEO des American Jewish Committee (AJC).

01.04.2018 Meinung
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BDS

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