Meldung

AJC: „Antisemitismus-Beauftragter sollte im Kanzleramt angesiedelt sein“

29.01.2018

Das American Jewish Committee begrüßt die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Podcast zum Holocaust-Gedenktag, dass es einen „Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus“ in der neuen Bundesregierung geben werde.

„Es ist erfreulich, dass die Bundeskanzlerin sich sehr deutlich für einen Beauftragten gegen Antisemitismus in der neuen Bundesregierung bekannt hat. Die Einführung eines Beauftragten – wie jüngst vom Bundestag beschlossen – ist überfällig, um Handlungsempfehlungen endlich umzusetzen. Damit Maßnahmen der verschiedenen Ministerien besser koordiniert werden, sollte ein Beauftragter gegen Antisemitismus im Bundeskanzleramt angesiedelt werden“, sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations.

Das AJC hat als erste Organisation bereits im Jahr 2008 die Einführung eines Antisemitismus-Beauftragten gefordert, gerade auch um gegenwärtige Formen des Antisemitismus zu adressieren. In Frankreich kümmert sich seit 2014 ein Antisemitismus-Beauftragter um Maßnahmen gegen Antisemitismus. Die Stelle ist im Élysée-Palast angesiedelt.

„Ein Antisemitismus-Beauftragter darf kein zahnloser Tiger sein, sondern muss diese drängenden Herausforderungen ansprechen und anpacken. Viele von uns in der jüdischen Gemeinschaft fühlen sich immer unwohler in unserem Alltagsleben, wenn Flaggen mit Davidsternen auf offener Straße verbrannt werden, wenn unsere Kinder in Schulen verspottet und angegriffen werden, wenn Politiker den Holocaust verharmlosen und die Nazi-Vergangenheit glorifizieren und wenn wir immer mehr Antisemitismus im Internet und auf Social Media wahrnehmen“, so Berger.

„Um wirksam handeln zu können, sollte der Beauftragte einen Arbeitsstab mit Experten aus dem Sicherheits- Integrations- und Bildungsbereich bekommen. Dringliche Herausforderungen, die jetzt angepackt werden müssen, sind etwa eine kritische Bestandsaufnahme der bisherigen Bundes-Programme gegen Antisemitismus, die Umsetzung der ‚IHRA Working Definition on Anti-Semitism‘, eine Veränderung der polizeilichen Erfassung antisemitischer Vorfälle und die Überarbeitung von Lehrmaterialien in Integrationsklassen in Bezug auf Antisemitismus, Holocaust und Israel“, sagte Berger weiter.

Das American Jewish Committee (AJC) setzt sich mit einer festen Vertretung in Berlin seit nunmehr 20 Jahren mit vielfältigen Kampagnen, Programmen und Netzwerken gegen Antisemitismus, Extremismus und für die Stärkung demokratischer Werte ein.

29.01.2018 Meldung

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