Meldung

AJC Berlin besorgt über Antisemitismus an Berliner Schulen.

03.04.2017

Wie in verschiedenen Medien berichtet, war ein jüdischer Schüler in Berlin Friedenau über einen längeren Zeitraum schweren antisemitischen Angriffen ausgesetzt. Bezugnehmend auf diesen Vorfall erklärt AJC Berlin Direktorin Deidre Berger:

„Es darf nicht sein, dass ein Schüler über Wochen von Mitschülern antisemitisch angegriffen wird, ohne dass eine Reaktion der Schule erfolgt, wie Eltern des Schülers gegenüber der Presse berichten. Ferner ist es wenig zielführend, wenn jetzt so getan wird, als wäre dies ein Einzelfall. Wir beobachten seit mehr als zehn Jahren, dass jüdische Schüler kontinuierlich öffentliche Schulen aufgrund von antisemitischen Anfeindungen verlassen und stattdessen jüdische Bildungseinrichtungen besuchen. Das AJC Berlin Ramer Institute hat bereits im Jahr 2008 auf dieses Problem aufmerksam gemacht und der Berlinerin Marita Leßny den „Moral Courage Award“ verliehen. Sie erhielt den Preis für ihr engagiertes Eintreten für eine jüdische Schülerin, die an einer Kreuzberger Schule über einen längeren Zeitraum verbalen und körperlichen Angriffen durch arabische Mitschüler ausgesetzt war.

Es darf nicht sein, dass Schulen für jüdische Kinder in dieser Stadt oder anderswo anders No-Go-Areas werden. Vor dieser Entwicklung hatte eine jüdische Lehrerin in Berlin bereits im Jahr 2015 in einem vielbeachteten Brandbrief gewarnt.

Zu lange haben Politik und Verwaltung das Ausmaß dieses Problems unterschätzt. Stattdessen sind Anfeindungen von Juden an öffentlichen Schulen zu oft trivialisiert worden und nicht selten wurde weggeschaut. Ebenso sind solche Vorfälle zu oft mit anderen Formen von Diskriminierung vermengt worden. Antisemitismus ist jedoch keine beliebige Form von Diskriminierung, sondern stellt ein singuläres Phänomen dar, dass stets ein Angriff auf unsere Demokratie ist.

Viele Lehrer und Schüler berichten uns, dass Antisemitismus im Klassenzimmer zum Alltag geworden ist. Ebenso berichten sie, dass die Anfeindungen und Übergriffe öfter von Mitschülern verübt werden, die einen türkischen oder arabischen Migrationshintergrund haben. Diese Vorfälle verdeutlichen ebenso, dass Antizionismus und Antisemitismus zwei Seiten derselben Medaille sind.

Auch wenn der Judenhass natürlich ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt, berichten jüdische Schüler, dass die antisemitischen Anfeindungen dieser Mitschüler oft besonders aggressiv und bedrohlich sind. Hier sind Politik und Verwaltung gefragt, präventiv zu agieren und härter durchzugreifen.

Das AJC Berlin Ramer Institute hat daher in Zusammenarbeit mit dem Senat und LISUM das Modellprojekt „Demokratie stärken – Aktiv gegen Antisemitismus“ im November 2015 initiiert. Das Projekt richtet sich gegen Antisemitismus und Salafismus an Schulen und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Das praxisnahe zweijährige Fortbildungsprogramm, an dem Lehrerinnen und Lehrern von über 20 Berliner Schulen teilnehmen, vermittelt in enger Verzahnung von Theorie und Praxis Handlungsoptionen und Gegenstrategien. Auf Basis der Fortbildungen erfolgt die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien, die in Berliner Schulen zum Einsatz kommen sollen.“

03.04.2017 Meldung

Pressekontakt

Fabian Weißbarth

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