Meldung

AJC Berlin erinnert an Walther Leisler Kiep

13.05.2016

Einer der großen deutschen Transatlantiker, Walther Leisler Kiep, starb diese Woche im Alter von 90 Jahren. Seine hanseatische Eleganz und Charme, seine Eloquenz und diplomatisches Auftreten machten ihn zu einem Giganten der transatlantischen Beziehungen der Nachkriegszeit.

Viel wurde über seine schillernde politische Karriere und seine privaten diplomatischen Einsätze, z.B.  in der Türkei und in China, geschrieben. Weniger bekannt war sein Engagement für die deutsch-jüdischen Beziehungen, die er als eine Säule der deutschen Nachkriegsdemokratie sah.

Wir beim AJC hatten das Glück, Walthers Hingabe und Verbundenheit zu starken deutsch-amerikanischen Beziehungen zu erfahren. Ein Kernbestandteil davon war für Walther die Wiederaufnahme der deutsch-jüdischen Beziehungen und dabei Hilfestellung zu leisten, wieder einen Dialog zu ermöglichen, ohne dabei die Vergangenheit zu leugnen.

Als Vorsitzender der Atlantik-Brücke hat Walther Leisler Kiep zusammen mit Beate Lindemann, der damaligen Direktorin der Atlantik-Brücke, deshalb schon in den 1980er Jahren den Kontakt zum AJC aufgenommen. Heraus kamen etliche gemeinsame Konferenzen in Deutschland und Israel über die damaligen deutsch-jüdischen Beziehungen und das jüdische Leben der Zeit. Dabei wurde Personen wie beispielsweise  Robert Wistrich, der den modernen Antisemitismus thematisierte, aber auch Israelis, die anschaulich Terrorangriffe gegen israelische Zivilisten beschrieben, viel Raum gegeben.  Für Walther Leisler Kiep war die Kooperation mit dem AJC eine natürliche Weiterentwicklung der Anfänge der Atlantik-Brücke, die 1952 u.a. vom jüdischen Banker Eric M. Warburg aus Hamburg gegründet wurde, um die deutsche Nachkriegsdemokratie zu verankern und einen Beitrag zu einer verantwortungsvollen Außenpolitik zu leisten, die den Holocaust niemals vergessen würde. Darüber hinaus haben Walther Leisler Kiep und Beate Lindemann Projekte ins Leben gerufen, die schulischen Lehrkräften in Deutschland und den USA ein tieferes Verständnis des Holocaust vermittelten und dabei Deutschlands Auseinandersetzung mit seiner Geschichte in der Nachkriegszeit in den Fokus nahmen.

Walther hat Israel nie vergessen. Für ihn war es immer ein unabdingbarer Bestandteil der transatlantischen Sicherheit. Statt nur über Israel zu reden, sorgte er dafür, dass Konferenzen auch in Israel stattfanden und ein  Dialog mit Israelis geführt wurde. Während seiner Zeit bei der Atlantik-Brücke unterstütze er Reisen für ranghohe Entscheider, um sicher zu stellen, dass sie Wissen über Israel und über israelische Regierungspolitik aus erster Hand vermittelt bekamen. Diesem Ziel blieb er bis in seine letzten Jahre verbunden, indem er die „Global Bridges“ mitgründete. Der Verein organisiert für ranghohe Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Medien jährliche Reisen nach Israel. Walter hat immer an den Reisen teilgenommen und war bis zum Schluß ein enthusiastischer Förderer der deutsch-israelischen Beziehungen.

Nicht vielen war bekannt, dass Walther Leisler Kiep fließend Türkisch sprach, weil er als Kind für einige Zeit in der Türkei lebte. Auch die deutsch-türkischen Beziehungen waren ihm deshalb ein Anliegen. Oft half er jungen Deutsch-Türken bei ihrer Integration in die deutsche Gesellschaft und Politik. Walter war ein Verfechter des Schutzes aller Minderheiten im Nachkriegsdeutschland.

Walther bereiste die Welt als Brückenbauer, wie er sich zu Recht nannte. Wir werden seine Leidenschaft für die Vereinigten Staaten, Israel, die deutsch-jüdischen Beziehungen und für eine starke deutsche Nachkriegsdemokratie nie vergessen. Walther Leisler Kieps globale Vision von Toleranz, Diplomatie und Austausch ist sein Erbe für uns alle.

13.05.2016 Meldung

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