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Antisemitismus-Streit an der HAWK

08.08.2016

In der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) wurde über 10 Jahre hinweg in einem Seminar offener Antisemitismus und Israelhass verbreitet.

In den Seminartexten wurde beispielsweise unterstellt, Israel betreibe Handel mit den Organen palästinensischer Kinder. Ein Vorwurf, der in der Tradition der antisemitischen Ritualmordlegende steht.

Weitere Artikel, die im Seminar behandelt wurden heißen „Apartheid im Heiligen Land“ oder „Bürger dritter Klasse“, ein Artikel in der extrem linken Jungen Welt, der die Situation arabischer Israelis beschreiben soll. Behandelt wurden offenbar auch Artikel der neu-rechten und verschwörungstheoretischen Zeitschrift „Compact“.

Hochschule und Wissenschaftsministerium reagierten zunächst abweisend.

 

 

Die Präsidentin der Hildesheimer Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) wies die Vorwürfe umgehend als „schockierend“ zurück und befürchtete, dass die Universität „zum Austragungsort des israelisch-palästinensischen Konflikts“ werde. Auch die universitäre Ethikkommission fand keine Bedenken für die Weiterführung des Seminars, wie auch die niedersächsische Wissenschaftsministerin. In der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung wird die Ministerin am 29. Juli damit zitiert, dass es darum ginge sich kritisch mit gesellschaftspolitischen und historischen Themen auseinanderzusetzen.

Der Antisemitismus-Experte der Amadeu-Antonio-Stiftung, Jan Riebe, hat das Seminarmaterial begutachtet. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen kommt er zu dem Schluss:

„Das Material erweckt nicht einmal den Anschein von Wissenschaftlichkeit.  Gegenpositionen seien nie zu finden, und die Auswahl der Texte solle ‚die Politik Israels in einer einseitigen, teils de-legitimierenden bis antisemitischen Betrachtungsweise‘ behandeln. Ein in dieser Art aufgebautes Seminar ist unvereinbar mit den demokratischen Grundsätzen einer Hochschule. Es wird den Studierenden ein zutiefst antiisraelisches, in Teilen sogar antisemitisches Weltbild vermittelt. Die Situation in Israel/Palästina soll nicht kritisch diskutiert, sondern den Studierenden ein vorgefasstes Bild oktroyiert werden.“

Der Korrespondent der Jerusalem Post, Benjamin Weinthal sagte in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung: „Vergleichbare Kommentare habe ich in den vergangenen Jahren noch über keine andere europäische Uni gehört.“ Der Sprecher des israelischen Außenministeriums Emmanuel Nahshon kommentierte: „Dies ist eine hässliche und empörende Demonstration von Juden-Hass. Das ist keine Universität, es ist eine Hass-Fabrik.“

Ein Fall für die Kultusministerkonferenz?

 

 

Für AJC Berlin Direktorin Deidre Berger zeigt der Streit die mangelnde gesellschaftliche Sensibilisierung zum Thema Antisemitismus. „Deutsche Universitäten dürfen nicht unter dem Deckmantel der Freiheit von Forschung und Lehre antisemitische Stereotype verbreiten. Wir brauchen mehr Aufklärung über Ausdrucksformen judenfeindlicher Ressentiments – auch im Wissenschaftsbereich.“

Berger kritisierte den mangelnden Willen zur Auseinandersetzung von Universität und Wissenschaftsministerium und ruft die Kultusminister-Konferenz dazu auf, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen.  „Wir brauchen eine Null-Toleranz Politik gegenüber Antisemitismus und Israelhass. Die Kultusministerkonferenz und die Hochschulrektorenkonferenz sollten Uni-Präsidenten und Dekane dazu ermuntern, mit dem Problem offen umzugehen, statt es zu ignorieren. Leitlinien könnten hierbei helfen. “

Berger regte zudem an, mehr Lehrstühle für Israel-Studien einzurichten. Bisher gibt es lediglich in München ein Zentrum für Israel-Studien. „Die Diskussion um die Hochschule Hildesheim zeigt die Notwendigkeit von mehr Forschungs- und Lehrangeboten zum Thema auf.“  

 

 

 

08.08.2016 Meldung
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