Meldung

Pressemitteilung des AJC Berlin zum antisemitischen Angriff in Berlin-Neukölln

10.05.2019

Berlin, 10.05.2019: Am Samstag, dem 04.05.2019, kam es im Berliner Stadtteil Neukölln erneut zu einem antisemitischen Angriff auf einen Israeli. Dazu erklärt Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin:

 

„Wir sind schockiert, dass Berlin erneut Schauplatz eines antisemitischen Angriffes geworden ist. Die antisemitischen Schläger waren offensichtlich Teilnehmer einer pro-palästinensischen Kundgebung auf dem Herrmannplatz. Auch wenn wir bisher nicht alle Einzelheiten kennen, so reiht sich dieser Angriff in eine Kette judenfeindlicher Angriffe in Berlin ein. Dafür spricht vor allem die Tatsache, dass das Opfer berichtet, dass die Täter antisemitische Parolen riefen. So niederträchtig dieser Angriff ist, so wenig überrascht er uns. Denn die Kundgebung war eine regelrechte Hassparade gegen den jüdischen Staat. So nahm auch die antisemitische Boykott-Kampagne gegen Israel (BDS - Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) daran teil. Im Umfeld dieser Kampagne kommt es immer wieder zu antisemitischen Angriffen auf Juden und Israelis. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass die Polizei die Angreifer mit allem Nachdruck verfolgt und den Fall zu einer Priorität macht.“

 

Im vergangenen Jahr kam es in der deutschen Hauptstadt zu 1.083 antisemitischen Vorfällen, wie die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) in ihrem Jahresbericht aufführt. Ferner kam es zu 46 tätlichen Angriffen. Eine Verdoppelung zum Vorjahr. Mit Blick auf diese Zahlen führt Berger weiter aus:

 

„Die hohe Anzahl antisemitischer Vorfälle bereitet uns seit geraumer Zeit große Sorgen. Der Berliner Senat hat dieses Problem erkannt und in diesem Jahr als erstes Bundesland sein Landeskonzept gegen Antisemitismus vorgestellt. Wir begrüßen diese Bemühungen ausdrücklich. Dennoch zeigt auch dieser Vorfall erneut, dass jetzt rasch Maßnahmen ergriffen werden müssen. So fordern wir, dass umgehend eine hochrangige Person als Antisemitismusbeauftragter berufen wird und Berlin dem Bund und den meisten Bundesländern in dieser Frage folgt. Ferner muss das Land Berlin festschreiben, dass antisemitischen Organisationen wie BDS keine öffentlichen Räume und Gelder zur Verfügung gestellt werden. Ebenso ist es höchste Zeit, dass die Stadt Berlin noch schärfere Maßnahmen gegen den Al-Quds-Tag unternimmt. Es ist nicht hinzunehmen, dass jährlich ausgerechnet in Berlin Anhänger des iranischen Regimes und der Hisbollah für die Vernichtung des jüdischen Staates demonstrieren. Hier erwarten wir auch deutlichere Signale von der Berliner Regierung.“

 

Das AJC beschäftigt sich seit seiner Gründung im Jahr 1906 mit Fragen der deutsch-jüdischen Beziehungen und war die erste internationale jüdische Organisation, die nach dem Holocaust Beziehungen zu Deutschland aufnahm. Das American Jewish Committee setzt sich mit einer festen Vertretung in Berlin seit nunmehr 20 Jahren mit vielfältigen Kampagnen, Programmen und Netzwerken gegen Antisemitismus, Extremismus und für die Stärkung demokratischer Werte ein. Zur antisemitischen BDS-Kampagne hat das AJC Berlin eine Broschüre erstellt, die hier heruntergeladen werden kann.

10.05.2019 Meldung

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