Meldung

AJC fordert die Bundesregierung auf, die Ergebnisse der Expertenkommission zu Antisemitismus zügig umzusetzen

24.01.2012

AJC zeigt sich besorgt darüber, dass laut der unabhängigen Expertenkommission des Bundestages rund 15-20% der Deutschen antisemitische oder latent antisemitische Einstellungen zeigen. "Deutschland muss dringend alle antisemitischen Erscheinungsformen und den latentem Antisemitismus im gesamten politischen Spektrum bekämpfen und mit Nachdruck angehen“, so Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations.

Zwar sind Rechtsextremisten für die Mehrzahl antisemitischer Straftaten und Propagandadelikte verantwortlich, aber darüber hinaus ist der Antisemitismus in Deutschland bis in die Mitte der Gesellschaft verbreitet. Der Bericht weist auch auf anti-Semitische Einstellungen unter Minderheiten in Deutschland hin.

"Wir hoffen, dass sowohl die Bundesregierung als auch die Landesregierungen den guten und breit gefächerten Handlungsempfehlungen der Expertenkommission nachkommen. Umfassende Strategien sind notwendig, damit im öffentlichen Leben den Stereotypen und Vorurteilen Juden gegenüber entgegengewirkt werden kann“, so Berger. Der Bericht lobt die von AJC Berlin gesponserte "Task Force: Education on Anti-Semitism"  für ihre "bedeutende Rolle in der Zusammenführung eines bundesweite Netzwerkverbunds der wichtigsten NGOs, die zum Thema Antisemitismus arbeiten."

Berger drängt den Deutschen Bundestag dazu, in besonderer Weise darauf zu achten, dass die Empfehlungen des Berichts implementiert werden. "In Großbritannien arbeiten Abgeordnete, Regierung und Zivilgesellschaft gemeinsam an wirksamen Initiativen im Kampf gegen den Antisemitismus. Dies führt dazu, dass Ressourcen besser verteilt und wirksam koordiniert werden“, führte Berger aus.

Die Autoren des Berichts fordern dringend, neue Studien anzustellen die uns helfen, Formen von anti-Semitismus in der Gesellschaft besser zu verstehen und auch anti-Semitische Einstellungen in der Einwanderungsgesellschaft genauer zu erforschen. „Der Kampf gegen den Antisemitismus erfordert eine langfristige Strategie. Dazu gehören Grundlagenforschung, Lehrerausbildung, Youth Leadership-Programme, verbesserte Lehrmaterialien und eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit in allen Bereichen des öffentlichen Lebens", so Deidre Berger. Sie forderte die Bundesregierung auf, Programme langfristiger und breiter angelegt zu unterstützen statt Modellvorhaben zu finanzieren.

Besonders alarmiert zeigte sich Berger über die Warnung der Expertenkommission, nach der Antisemitismus ein besonderes Problem an deutschen Schulen darstellt. Sie appellierte an die Bundesregierung und die Landesregierungen, das Verständnis für den jüdischen Beitrag zur Geschichte zu stärken, um antisemitische Stereotype zu bekämpfen und der einseitigen Wahrnehmung von Juden als Opfern etwas entgegenzusetzen. Zudem äußerte sich Berger besorgt über Berichte, nach denen deutsche Schulbücher problematische und negative Darstellungen zum Staat Israel enthalten. Um ein vielseitigeres Bild jüdischer Geschichte, Ethik und Religion in deutschen Rahmenlehrplänen zu integrieren und für junge Menschen sichtbar zu machen, gründete AJC Berlin 2011 den „Jewish Educators Circle“.

"Auch wenn der Antisemitismus gewiss nicht ganz auszurotten ist, so können verstärkte Anstrengungen doch dazu führen, ein ausgewogeneres Bild von Juden und dem Judentum in der deutschen Gesellschaft zu verankern", so Deidre Berger abschließend.

24.01.2012 Meldung

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