Meldung

AJC Studie deckt unwissenschaftliche Argumente in der Beschneidungsdebatte auf

21.11.2012

Eine aktuelle Studie des AJC Berlin Ramer Institute for German-Jewish Relations hat die Behauptungen zu den Auswirkungen der Beschneidung nachgeprüft. Die Untersuchung hat ergeben, dass diese weitestgehend auf keiner wissenschaftlichen Basis beruhen. Ergebnisse von Studien werden aus dem Kontext gerissen bzw. verzerrt wiedergegeben. Andere Aussagen zu dem Thema entstammen Behauptungen, die nicht überprüfbar sind.

 „Die Kritiker der Beschneidung argumentieren auf Basis medizinisch fragwürdiger Argumente, um eine angebliche Kindeswohlgefährdung nachzuweisen“, sagte Deidre Berger, Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute for German –Jewish Relations.  

„Führende internationale Gesundheitsorganisationen empfehlen die Beschneidung auf Grund medizinischer Vorteile. Die Beschneidung ist für das Judentum konstitutiver Bestandteil und zudem wesentlich für die kulturelle und religiöse Erziehung. Es stellt sich in diesem Zusammenhang daher die Frage, wer hier eigentlich wen im Namen des Kindeswohls schützen will.“

In manchen Medienberichten, Kommentaren und Karikaturen zur Beschneidung finden Stereotype über das Judentum und den Islam als angeblich archaische Religion Eingang in die Diskussion. Mit Hilfe fragwürdiger historischer Vergleiche, wie zum Beispiel der Hexenverbrennung, wurde die Beschneidungspraxis diffamiert. Manche Kritiker argumentierten, dass die Beschneidung angeblich nicht in eine moderne Zeit und ein demokratisches Gemeinwesen passen würden.  

 „Der Diskussion mangelt es an einem Bewusstsein für die historischen, kulturellen und religiösen Zusammenhänge der Beschneidungspraxis. In Anbetracht dessen ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass der Beschneidungsdiskurs antisemitische und antimuslimische Stereotype begünstigt hat.“

Das AJC begrüßt den Gesetzesentwurf der Bundesregierung, welcher die wichtige Rolle der Beschneidungspraxis im Judentum und Islam berücksichtigt und rechtlichen Schutz hierfür schaffen soll.

„Dass eine solche Regelung überhaupt notwendig werden musste, ist für eine demokratische und pluralistische Gesellschaft bedauerlich. Es bleibt zu hoffen, dass die unglückliche  Beschneidungsdebatte zügig ein Ende findet und wir zu den wirklichen Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders zurückkehren“, so Deidre Berger weiter.

„Die Entfaltungsfreiheit religiöser und kultureller Minderheiten und die Akzeptanz der Bevölkerungsmehrheit für die empfundene Andersartigkeit und unterschiedliche Lebensweisen von Minderheiten ist der Gradmesser für eine demokratische Gesellschaft.“ 

Die Broschüre kann hier abgerufen werden: 

PDF Icon update_ajc_berlin_briefing_fakten_und_mythen_in_der_beschneidungsdebatte_web.pdf
21.11.2012 Meldung

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Fabian Weißbarth

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