Meldung

Berliner Senat stiehlt sich bei Waters-Eklat aus der Verantwortung. Runder Tisch geplant.

04.09.2013

Das American Jewish Committee bedauert die abweisende Reaktion des Berliner Senats auf die geplante Verwendung antisemitischer Symbolik beim heutigen  Konzert von Roger Waters im Berliner Olympiastadion zu Auftakt des jüdischen Neujahrsfestes Rosh Hashana.

Wie aus einer heutigen Stellungnahme der Senatsinnenverwaltung hervorgeht, sehe die Olympiastadion Berlin GmbH keinen Anhaltspunkt, dass gegen die Hausordnung während des Konzerts verstoßen werde. Der Konzertveranstalter missbilligte indes die Symbolik, wolle jedoch, wie auch der Kultursenat, nicht in die künstlerische Freiheit eingreifen. In einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister hatte das AJC auf die Hausordnung des Olympiastadions verwiesen, welche politische Propaganda, rassistische und fremdenfeindliche Parolen untersagt.

„Antisemitische Symbolik darf nicht als künstlerische Freiheit umdeklariert werden. Wenn ein gehörntes Schwein mit Davidstern, Hammer, Sichel und Dollarzeichen dargestellt wird, dann bedient dies vielfältige und uralte antisemitische Stereotype. Diese Bildsprache sollte Anhaltspunkt genug für eine politische Reaktion des Senats sein“, sagte Deidre Berger.

Aber auch die Ästhetik des Bühnenbildes sorgt mit ihrer Anlehnung an die Nazi-Zeit für Aufruhr.

„Das Berliner Olympiastadion war wichtiger Schauplatz der Nazi-Propaganda. Seine Bühnenshow ruft diese Vergangenheit auf schreckliche Weise in Erinnerung“, ergänzt Berger.

Bereits in der Vergangenheit sorgte der antiisraelische Boykottaktivist Waters für Diskussionen. So ruft er Musiker zur Verweigerung von Konzerten in Israel auf.

„Es ist grotesk, dass sich ausgerechnet Waters als Verteidiger der Kunstfreiheit inszenieren kann, während er als Aktivist der BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestment, Sanctions) zu einem künstlerischen Boykott Israels aufruft und somit die künstlerische Freiheit mit Füßen tritt.“

Nach dem Eklat fordert das AJC politische Konsequenzen für die Zukunft.

„Zivilgesellschaft und Staat müssen zusammen gegen antisemitische Stimmungsmache vorgehen. Nach dem jüdischen Neujahrsfest werden wir daher alle Beteiligten zu einem Runden Tisch zusammenrufen, um konstruktiv zu beraten, wie wir in Zukunft auf solche Vorfälle rechtzeitig reagieren können.“

04.09.2013 Meldung

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