Meldung

David Harris: „Der Iran ist nicht nur ein Problem Israels“

08.02.2012

David Harris, Geschäftsführer einer großen jüdischen Organisation in den USA, sorgt sich in Berlin über Lage in Nahost von Joachim Riecker, Märkische Allgemeine

"BERLIN - Die großen jüdischen Organisationen gehören zu den einflussreichsten politischen Gruppierungen in den USA. David Harris, Geschäftsführer des American Jewish Comittee (AJC), tourt gegenwärtig durch Europa, um bei Regierungen unter anderem für eine feste Unterstützung Israels in den Konflikten mit dem Iran und den arabischen Nachbarstaaten zu werben.

In Berlin wurde er im Auswärtigen Amt und im Kanzleramt von Angela Merkels außenpolitischem Chefberater Christoph Heusgen empfangen. In einem Pressegespräch sagte Harris anschließend, das iranische Atomprogramm sei nicht nur ein Problem Israels, sondern der gesamten Staatengemeinschaft. „Sollte es zu einem gewaltsamen Konflikt zwischen dem Iran und Israel kommen, erwarten wir, dass Israel nicht allein gelassen wird“. Es sei nicht hinnehmbar, dass der Iran Atomwaffen besitze.

Über die Aussichten für einen Nahost-Frieden äußerte sich Harris pessimistisch. Angefangen 1947 hätten die Palästinenser „immer wieder die Gelegenheit verpasst, eine Zwei-Staaten-Lösung zu realisieren“. Jedesmal wenn sich die Chance dafür ergeben hätte, sei sie von den Palästinensern nicht wahrgenommen worden.

Harris erwähnte vor allem die von dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton geführten Verhandlungen in Camp David im Jahr 2000. Damals habe es von Israel das ganz konkrete Angebot einer Zwei-Staaten-Lösung gegeben, was jedoch von den Palästinensern und ihrem damaligen Führer Jassir Arafat mit der zweiten Intifada beantwortet worden sei.

Trotzdem befürworte seine Organisation weiter eine Zwei-Staaten-Lösung und lehne auch Siedlungen Israels in den Gebieten ab, die nach einer Staatsgründung voraussichtlich zu Palästina gehören würden. Für eine gewisse politische Radikalisierung in Israel müsse man aber Verständnis, haben, denn der Staat sei mit 63 Jahren immer noch sehr jung und „experimentiert noch mit der Selbstbestimmung“. Israel bleibe aber die einzige stabile Demokratie in der Region.

Eher skeptisch äußerte sich Harris auch zu den Umwälzungen in vielen arabischen Ländern. „Es wird sich noch zeigen, ob wir tatsächlich von einem arabischen Frühling sprechen können oder ob nicht eine andere Jahreszeit als passender erscheinen wird.“ Das AJC wurde 1906 von einer kleinen Gruppe amerikanischer Juden gegründet. Ziel der Organisation ist es, „Israel und die Juden weltweit zu unterstützen und sowohl Menschenrechte als auch demokratische Werte in den USA und allen anderen Ländern zu fördern.“ Seit 1998 unterhält die Organisation auch ein Büro in Berlin."

08.02.2012 Meldung

Pressekontakt

Fabian Weißbarth

Tel.: +49 (0)30 22 65 94-12
Fax: +49 (0)30 22 65 94-14

weissbarthf@ajc.org