Meldung

Maccabi Games sind Motor des jüdischen Lebens

28.07.2015

Grußwort von AJC Berlin-Direktorin Deidre Berger anlässlich einer Informationsveranstaltung der der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) im Verbund mit den Organisatoren der EMG am 15. Juli im Rathaus Charlottenburg. Einen vollständigen Veranstaltungsbericht finden Sie hier: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22836

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Frau Loth,

liebe Freundinnen und Freunde,

 Sport ist ein wichtiger Teil des Lebens.  Um so mehr können wir Themen durch den Spiegel des Sports gut beleuchten.  So ist es auch mit juedischem Leben und Antisemitismus – die European Maccabi Games haben den wichtigen Anstoß gegeben, diese Diskussionsveranstaltung zu organisieren.  Großen Dank gilt den Veranstaltern, der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS), die diese Initiative ergriffen hat und  Tag für Tag wichtige Arbeit bei der Erfassung des Antisemitismus leistet.

Auch moechte ich mich bei Dr. Oren Osterer – Direktor des Organisationskomitees der EMG bedanken. Lieber Oren, Du und Dein Team, darunter viele ehrenamtliche Helfer, habt in den letzten Monaten, mit wenig Ressourcen,eine hervorragende Arbeit geleistet! 

Die Entscheidung der European Maccabi Conferederation für den Austragungsort Berlin ist auch Anerkennung für die Versöhnungsarbeit und den besonderen Weg Deutschlands 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs sowohl für den Wiederaufbau juedischen Lebens und die deutsch-jüdischen Beziehungen.. Deutschland ist mittlerweile nicht nur ein wichtiger Partner Israels, sondern auch Heimat eines vielfältigen jüdischen Lebens, geprägt durch religiöse und kulturelle Vielfalt. Die Entscheidung für den Austragungsort Berlin setzt auch die sehr lange und stolze Tradition jüdischen Sports in Deutschland fort. Es waren Juden wie Julius Hirsch, Hans Rosenthal oder Kurt Landauer die den Fußball in Deutschland so populär gemacht haben. Es waren Sportlerinnen wie Greta Bergmann und Lilli Henoch, welche die deutsche Leichtathletik in den 1920er Jahren zu Weltruhm führten.

Nach dem Holocaust ist diese Tradition vielfach in Vergessenheit geraten. Erst seit kurzem haben Sportverbände und vor allem engagierte Fans angefangen, diese deutsch-jüdische Sportgeschichte wieder sichtbar zu machen. Die Maccabi Games leisten hier einen ganz entscheidenden Beitrag!

Doch die Maccabi-Sportgemeinde ist viel mehr als nur eine Sportveranstaltung. Maccabi ist ein Netzwerk unterschiedlicher Teams weltweit, die auch ein Modell für die Vielfalt und Lebendigkeit der Gesellschaften darstellen.

Trotz des vorbildlichen Charakters von Maccabi-Teams, wo oftmals Juden, Christen und Muslimen friedlich zusammenspielen, will ich die Probleme mit Antisemitismus in unserer Gesellschaft nicht beschönigen. 2014 ist die Zahl der polizeibekannten antisemitischer Vorfälle in Deutschland um signifikante 25 % gewachsen.

Erst kürzlich, bei einem Runden Tisch beim Regierenden Bürgermeister zum Thema Antisemitismus, berichtete Maccabi Trainer . Claudio Offenberg wie alltäglich antisemitische Anfeindungen für die Sportlerinnen und Sportler von TUS Makkabi sind. Immer häufiger überlegen sich die Sportler, ob sie den Davidstern im Vereinswappen auf ihrem Weg zum Sportplatz und auf ihrem Weg nach Hause noch sicher tragen können.

Diese Alltagsrealität ist statistisch weitestgehend nicht erfasst, laut juedische und nicht-juedische Experten, die Zugang zu den Vorfällen haben. Es ist daher außerordentlich wichtig, wenn Initiativen wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus dieses Dunkelfeld aufklären und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Denn nur wenn sichtbar ist, wie sich die Gefahr des Antisemitismus tatsächlich darstellt, können wir auch wirksame Handlungsmaßnahmen einleiten.

Wir sind daher der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen des Landes Berlin, Ihnen Frau Loth, für die Unterstützung der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus sehr dankbar. Diese noch junge und wichtige Berliner Erfolgsgeschichte wird hoffentlich bald in anderen Bundesländern Schule machen.

Dir, lieber Benjamin Steinitz (Anm: Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus), möchte ich auch nochmal persönlich herzlich für Dein Engagement in den vergangenen Monaten danken. Deiner akribischen Arbeit leistet einen entscheidenden Beitrag dafür, dass die wahre Dimension des Antisemitismus bekannt wird und das Thema nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet.

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde,

ich habe die Hoffnung, dass die European Maccabi Games Motor dafür sein können, jüdisches Leben in Deutschland stärker sichtbar zu machen und zugleich die Auseinandersetzung über deutsch-jüdische Themen, etwa im Sport, zu befördern. Ich bin überzeugt, dass Veranstaltungen wie diese heute dafür ein wichtiger Auftakt sind.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich jetzt mit Ihnen auf eine spannende und informative Diskussion! 

28.07.2015 Meldung

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Fabian Weißbarth

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