Demokratie stärken - Aktiv gegen Antisemitismus und Salafismus

Dieses Modellprojekt wurde im November 2015 eingerichtet, um Lehrer aus Berliner Schulen im Rahmen von ganztägigen Fortbildungen im Umgang mit Salafismus und dem ihm inhärenten Antisemitismus zu unterstützen. Viele Lehrkräfte haben mittlerweile in ihrem Alltag mit islamistischem Extremismus und einer daraus resultierenden Zunahme von Antisemitismus zu tun.

Oft fehlt allerdings grundlegendes Hintergrundwissen über Salafismus und Antisemitismus sowie über die Gründe für ihre zunehmende Anziehungskraft unter Jugendlichen. Das Modellprojekt soll Erkenntnisse hinsichtlich ihrer Inhalte, Dynamiken und Ausprägungsvarianten sowie der Motive von Jugendlichen schaffen, sich diesen Einstellungsmustern anzunähern. Zudem sollen Strategien der Prävention und Entradikalisierung vorgeschlagen und im Anschluss an Schulen umgesetzt werden.

Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, treffen im Rahmen von regelmäßigen Fortbildungen Experten aus Wissenschaft, Stiftungen und Beratungsstellen mit Lehrkräften zusammen. Wissen und Erfahrung der Akteure sollen über Diskussionen und die Erörterung von Fallbeispielen in den schulischen Kontext transferiert und in effektive Handlungsoptionen übersetzt werden. Lehrkräfte sollen nicht nur hinsichtlich der Zustände sensibilisiert werden. Es geht auch darum, eine aktive Rolle einnehmen zu können, Schüler über Informationstransfers und Kompetenzbildung von einer potenziellen Radikalisierung wegzuführen.

Die Fortbildungen werden mit 25 bis 30 Vertretern aus mehr als 20 Berliner Schulen über einen Zeitraum von zwei Jahren durchgeführt. Die Teilnehmer werden sich u.a. mit den Themen Identität, Religion, Stereotypisierung, Diskriminierung, Demokratie, Medien, Jugendkultur, Geschlechter- und Familienbilder auseinandersetzen. Methodisch wird sich dabei verschiedener pädagogischer Instrumente bedient. Dabei sollen die Lehrer die Fortbildungen als Forum begreifen, in deren Rahmen sie sich mit Experten und untereinander austauschen können. Diskussionen im Rahmen der Fortbildungen werden die Grundlage für die Entwicklung von Lehrmaterialen und eine Handreichung für den Schulgebrauch bilden. Eine Veröffentlichung ist nach etwa zwei Jahren vorgesehen.

Der innovative Charakter des Modellprojekts liegt zum einen in der thematischen Verknüpfung des Salafismus mit dem Antisemitismus. Zum anderen resultiert er aus der Förderung von Grundwerten und demokratischem Engagement als Prävention gegen Radikalisierungstendenzen. Das entwickelte Curriculum soll deshalb perspektivisch auch Anwendung an Schulen in verschiedenen Bundesländern finden. Möglichkeiten, diese auch in anderen europäischen Ländern anzuwenden, werden in der Zusammenfassung des Projekts ebenfalls erörtert.

Der Projektträger arbeitet bei der Durchführung des Modellprojekts mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, dem Landesinstitut Schule und Medien Berlin-Brandenburg sowie dem Ethno-Medizinischen Zentrum (EMZ) zusammen. 

Mario Wessolowski koordiniert das Projekt beim AJC Berlin Ramer Institut. Das Projekt wird von Matthias Becker wissenschaftlich begleitet.